Progressive Web Apps – was ist derzeit möglich?

In unserem Thema des Monats Dezember 2018 haben wir eine kurze Einführung in die Thematik der Progressive Web Apps (PWA) verfasst und deren Vorzüge grob umrissen.
Handelt es sich bei PWA um gewissermassen ‚aufgebohrte‘ mobil-optimierte Websites, unterliegen diese schon deshalb naturgemäss einigen Einschränkungen – gerade im Vergleich zu ihren grossen Geschwistern, den nativen Apps in erster Linie jenen für Android und iOS.

Die Gründe für „mobile first“ in der Webentwicklung wollen wir dem geneigten Leser an dieser Stelle ebenso wenig darlegen wie wir auf potenzielle (Wachstums-) Chancen im E-Commerce-Business, eine Verbesserung der Conversion Rate und ähnliche Aspekte eingehen; hierfür sei auf den genannten Beitrag verwiesen.

Was vermögen PWA 2019 zu leisten?

Nachfolgend verschaffen wir einen kurzen Überblick über den aktuellen Stand der Möglichkeiten und Einschränkungen, wie sie sich aktuell, d.h. im Frühjahr 2019, hinsichtlich der PWA darstellen. Denn eines ist sicher: Wir befinden uns derzeit mitten in einer äusserst spannenden Entwicklung – mitsamt erheblichen Vor- und Nachteilen.

Ohne Zweifel bietet es sich in vielen Fällen an, eine gut gemachte mobile Website zur PWA zu erweitern, in denen aber eine native App zu entwickeln gar nicht erst in Erwägung gezogen worden wäre. Der Aufwands- und damit Kostenvorteil ist entsprechend gross und gerade dann noch erheblich grösser, wenn bereits eine mobile Website besteht, eine ‚richtige‘ App hingegen von Grund auf neu entwickelt werden müsste.

Weniger aus technischer, dafür umso mehr aus Marketingsicht stellt es mitunter einen wesentlichen Vorteil dar, wenn man es mit seinem Angebot erst einmal auf das Mobilgerät des Nutzers und dort auf den Homescreen geschafft hat. Doch einmal dort, welche Möglichkeiten bieten sich dem Website-, Webshop- oder Plattformbetreiber? Können Kunden via Push-Notification angehalten werden, die Website oder den Shop zu besuchen/nutzen? Können Nutzer individuell benachrichtigt werden, etwa per Notification über Bestelleingang, Paketversand o.ä.? Kann auf die Geodaten der Nutzer zugegriffen werden? Wie steht es mit der Auswertung von Kontakten zu bestimmten Zwecken aus? Können Funktionen implementiert werden, die die Nutzung von Kamera und/oder Mikrofon des Geräts voraussetzen?

Das Problem ist weniger, dass sich nicht alle dieser Fragen mit einem klaren “ja” beantworten lassen (denn dass eine PWA nicht auf die Kontakte der Nutzer zugreifen kann, ist vermutlich gar nicht verkehrt). Problematisch hingegen sind jene Fragen, die ein klares “ja, aber” zur Antwort haben:

Die Möglichkeit, Nutzern der PWA Push-Notifications zuzustellen, ist sicherlich ein äusserst wichtiges Feature. Hieran zeigt sich aber auch das zentrale Problem, das mit PWA derzeit noch einhergeht: Web-Push-Notifications werden nur unter Android unterstützt, nicht aber unter iOS, d.h. iPhone-Nutzer bleiben aussen vor, und nicht zuletzt im Bereich des mobilen E-Commerces ist dies freilich absolut problematisch.

Auch gewichtige Player im E-Commerce-Business müssen noch mit diesem Makel leben. Adobe, zu dem die Online-Shop-Plattform Magento mittlerweile gehört, hat Ende 2018 mit dem Magento PWA Studio Werkzeuge veröffentlicht, die es Entwicklern erleichtern sollen, modernste – da mindestens auf Magento 2.3 basierende – Online-Shops „PWA-fähig“ zu machen. (Hier stand die Erkenntnis Pate, dass nicht einmal 10% der Online-Händler ihre Kunden überzeugen konnten, eine native App zu installieren und diese stattdessen lieber die mobile Website nutzten.)

Doch auch ein solches Schwergewicht der Branche kann die Grenzen der technischen Machbarkeit nicht verschieben, folgerichtig wird darauf hingewiesen, dass Push Notification ein ‚Android only‘ Feature sind:

Magento PWA Studio

Was bringt die Zukunft?

Trotz aller Techniken, die in den letzten 2-3 Jahren von den beiden grossen mobilen Betriebssysteme nach und nach unterstützt wurden, bleiben somit zentrale Features lediglich einem Teil der mobilen Nutzer vorbehalten. Die bereits vor rund einem Jahr konstatierten Plattform-Unterschiede und entsprechende Einschränkungen scheinen immer noch aktuell zu sein, wie eine gute Übersicht zeigt (siehe auch die untenstehende Grafik).

Ein vorläufiges Fazit

All dies darf natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass PWA eine hervorragende Möglichkeit darstellen, mobile Websites und damit gewisse Informationen und Funktionen noch näher an den Nutzer zu bringen. Hierfür sind zahlreiche Anwendungsszenarien denkbar: Festivals oder Kongresse können ihren Besuchern PWA zur Verfügung stellen, sodass diese Veranstaltungs- und Lagepläne, Kontaktdaten und wichtige Informationen etc. immer zur Hand haben. Unternehmen können gewisse Funktionen ihres Intranets in eine schlanke Mitarbeiter-App auslagern beziehungsweise ihren Angestellten die Möglichkeit bieten, über das ohnehin meist mitgeführte Smartphone bestimmte Dinge zu erledigen.

Hat uns die technische Entwicklung unbemerkt überholt, oder gibt es gar weitere Hürden bei der PWA-Entwicklung, die wir nicht erwähnt haben? Wir freuen uns über Hinweise und Feedback!

 

 

Den derzeitigen Stand der unterstützten Features stellt der Blogbeitrag von AppToolTester (Stand März 2018) sehr gut dar:

 

 

PWA - Möglichkeiten und Einschränkungen

 

PWA - Möglichkeiten und Einschränkungen

PWA - Möglichkeiten und Einschränkungen

PWA - Möglichkeiten und Einschränkungen

PWA - Möglichkeiten und Einschränkungen

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